Leidensbehaftetes Weiterleben ist kein Schaden

 24.06.2019

Der BGH hat entschieden, dass ein Schadensersatzanspruch nicht geben ist, wenn ein Patient aufgrund einer fehlerhaften Entscheidung des Arztes weiterleben muss, obwohl Anlass gewesen wäre, das Leiden des Mannes abzukürzen.

Das OLG München hatte zuvor in einer viel beachteten Entscheidung dem Sohn des schließlich doch verstorbenen Patienten ein ererbtes Schmerzensgeld in Höhe von 40.000,00 € zugesprochen.

Der Sohn und Alleinerbe hatte den Hausarzt auf Schadensersatz für die Leiden seines Vaters in Anspruch genommen, denn der demenzkranke Patient hatte die letzten Jahre seines Lebens in Siechtum verbracht, geplagt von Entzündungen in Lunge und Gallenblase, unfähig, sich mitzuteilen.

Der BGH lehnte eine Entschädigung aus ethischen Gründen ab. Ein Urteil über den Wert eines Lebens stünde einem Dritten nicht zu. Deshalb verböte es sich, das Leben - auch ein leidensbehaftetes Weiterleben - als Schaden zu bewerten.

BGH, Urteil vom 02.04.2019 (Az.: VI ZR 13/18)