Zur Patientenaufklärung bei Behandlung außerhalb des medizinischen Standards

 15.11.2019

Die Anwendung eines nicht allgemein anerkannten, den Korridor des medizinischen Standards verlassenden Behandlungskonzepts im Rahmen einer Wirbelsäulen-OP stellt nicht ohne weiteres einen Behandlungsfehler dar. Allerdings darf eine nicht allgemein anerkannte Behandlungsmethode nur nach einer verantwortlichen medizinischen Abwägung dieser Methode mit der standardgemäßen Behandlung unter Berücksichtigung des Patientenwohls angewendet werden.
Darüber hinaus erfordert die Anwendung einer nicht allgemein anerkannten Methode zur Wahrung des Selbstbestimmungsrechts des Patienten dessen Aufklärung über das Für und Wider dieser Methode. Dem Patienten müssen nicht nur die Risiken und die Gefahr eines Misserfolgs des Eingriffs erläutert werden; er ist auch darüber aufzuklären, dass der geplante Eingriff (noch) nicht medizinischer Standard ist.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 15.10.2019 – VI ZR 105/18